26.6.2009 Europäische Zentralbank pumpt 440 Mrd. Euro in die Märkte

Wie der Spiegel am 24. Juni berichtete pumpt die Europäische Zentralbank mehr als 440 Milliarden Euro in den Markt. Und zwar für 1% Zinsen und Laufzeiten bis zu einem Jahr. Trotzdem geben die Finanzinstitute kaum Kredite an Firmen weiter. Kann ein Zins von 1% noch zu hoch sein?

Zunächst ist natürlich zwischen Nominal- und Realzinsen zu unterscheiden, dann kommt noch das Risiko hinzu, das für Kredite an Nichtbanken.

Bei einer Inflationsrate von 0% (so ging es vor kurzem durch die Presse) ist also der Realzins auf Bargeld derzeit ebenfalls 0%. Bargeld ist ein Kreditverhältnis mit der ZB als Schuldner, das Risiko also minimal. Rechen wir das Risiko relativ zum Risiko der ZB, haben wir also beim Bargeld (und ZB-Guthaben) einen risikobereinigten Realzins von 0%. Wenn aber die Realwirtschaft im Durchschnitt gerade Verluste macht, müsste auch der Gleichgewichtszins für Unternehmenskredite negativ sein. Da für Geldanleger (auch die Geschäftsbanken) aber Geldbasis (ZB-Guthaben und Bargeld) als Substitutionsgut zur Verfügung steht, wird dieses natürlich aufgrund des höheren Zinses gewählt, denn 0% ist höher als jeder negative Realzins für Unternehmenskredite.

Die paradoxe Situation ist, dass ausgerechnet jetzt, wo die Realwirtschaft im Durchschnitt die geringste, vermutlich negative, Rendite hat, der Realzins auf Geldbasis am höchsten ist. Denn in guten Zeiten, bei einer Inflationsrate von z.B.3,5%, lag dieser mit -3,5% viel tiefer als heute, in schlechten Zeiten.

Ein noch so kleiner Zins auf Geldbasis kann also in der Tat zu hoch sein, solange er selbst dann von den Zentralbanken positiv gehalten wird, wenn der Gleichgewichtszins schon negativ wäre. In der Folge müsste man also dafür sorgen, dass auch Geldbasis einen tieferen Realzins erhält, entweder durch Inflation oder durch „Gebühren“ auf Geldbasis (vergl. auch Aussagen von Prof. Mankiew von der Harvard Uni in den letzten Wochen und).

Ersteres, Inflation, darf man natürlich nicht durch Neuverschuldung (Konjunkturprogramme) erzeugen, weil solch künstliche Kreditnachfrage logischerweise den Zins nur anhebt – und das ist nur scheinbar gut. Zwar ist damit auch die Zinsstruktur wieder im Lot, aber die Realwirtschaft kann dieses erhöhte Zinsniveau gar nicht leisten, es entsteht nur eine neue Blase.

Wenn man schon Inflation erzeugt, müsste man dies also durch „Hubschraubergeld“ machen. Ein solches käme praktisch einer Entwertung der bestehenden Geldbasis-Einheiten gleich, ohne das Zinsniveau wieder künstlich anzuheben. Oder eben die o.g. Gebühr auf Bargeld – bei letzterer Lösung könnte wenigstens das Preisniveau gleich bleiben, was enorme volkswirtschaftliche Preisanpassungs-Kosten sparen würde. Vermutlich gibt es noch viele weitere Lösungen, wenn erst einmal viele Menschen darüber nachdenken.

All das passt eigentlich 100% in die heutige Wirtschaftstheorie hinein, nur dass viele Wirtschaftswissenschaftler beim Geld immer noch davon ausgehen, dass 0% eine „natürliche“ Untergrenze für den Nominalzins wäre. Aber Prof. Mankiew, Prof. Buiter und Prof. Illing haben es schon erkannt, dass dem nicht so ist. Wann folgen die anderen? Und wann erkennt die Politik ihren Irrweg?